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Empfehlungen für MKH-Anwender (Richtlinien zur Korrektion von Winkelfehlsichtigkeit) 

Im Jahre 1995 hatte der wissenschaftliche Beirat der Internationalen Vereinigung für Binokulare Vollkorrektion in seinen Richtlinien zur Korrektion von Winkelfehlsichtigkeit folgendes empfohlen:

Beratung des Klienten: Im Vorfeld der Augenglasbestimmung  sollen ärztliche Untersuchungen zusätzlich oder vorausgehend empfohlen werden, insbesondere dann, wenn Störungen vorliegen, die nicht durch Fehlsichtigkeiten erklärt werden können.

Dieser wichtige Hinweis wurde im aktuellen Verwaltungsgerichturteil (Verwaltungsgerichtshof Baden-Württtemberg vom 17.02.2005) jetzt auch juristisch bestätigt und präzisiert. Künftig sollten danach handelnde Augenoptiker keinerlei Einschränkung Ihrer Tätigkeit zur Korrektion von Winkelfehlsichtigkeit erdulden müssen.

Wichtig sind zunächst die grundlegenden Erläuterungen des Verwaltungsgerichtshofs zur Tätigkeit der Augenoptiker:

1. Das Erkennen, Messen und Korrigieren von "Winkelfehlsichtigkeit" setzt keine ärztlichen Fachkenntnisse voraus.

2. Die Anwendung der Mess- und Korrektionsmethodik nach H. - J. Haase (MKH) ist ein rein physikalischer, optisch-technischer Messvorgang, der insoweit vergleichbar ist mit der Sehschärfenbestimmung, d.h. dem so genannten Refraktionieren (Brillenglasbestimmung) durch Augenoptiker.

3. Die Anpassung einer Prismenbrille ist zumindest dann nicht angezeigt, wenn "Winkelfehlsichtigkeit" beschwerdefrei vom Gehirn des Patienten ausgeglichen wird, d.h. wenn keine Anstrengungsbeschwerden infolge des Energieaufwands bei der Eigenkorrektur auftreten.

Der Verwaltungsgerichtshof schreibt in einem Präzedenzfall vor, welche Beratung ein Augenoptiker, der Winkelfehlsichtigkeit misst und korrigiert, aus juristischer Sicht mindestens zu leisten hat::

a) Er soll den betreffenden Kunden schriftlich durch Übergabe eines Merkblattes darauf hinweisen, dass er keine heilkundliche Behandlung durchführen will und kann. Deshalb stellt er vorsorglich die Zuziehung eines Arztes oder Heilpraktikers anheim. 

Hinweis: Dies gilt insbesondere bei Beschwerden, die auch andere (sehr seltene) Ursachen als Winkelfehlsichtigkeit haben können und bislang nicht ausgeschlossen wurden, wie Kopfschmerzen, Migräne, Kopfzwangshaltungen, Doppelbildwahrnehmungen u. a.  Der Verwaltungsgerichtshof stellt nicht die Forderung, dass unbedingt ein Augenarzt hinzugezogen werden muss, denn genau wie der Augenoptiker ist auch der Augenarzt bei oben genannten Beschwerden verpflichtet, die Hinzuziehung anderer Fachrichtungen anheim zu stellen. Er hat zudem eine strikte Dokumentationspflicht seiner entsprechenden Empfehlungen. Dies hat der Augenoptiker zwar nicht, es ist ihm aber auch nicht verboten und bei später strittigen Fällen sogar hilfreich. 

b) Der Augenoptiker soll auf Punkt a) nochmals vor jeder Prismenbrillenabgabe mündlich hinweisen.

Hinweis: Es ist aufgrund dieses Urteiles nicht vorgeschrieben, dass der Kunde auch wirklich der Anheimstellung, einen Arzt oder Heilpraktiker aufzusuchen, nachkommen muss. Der Augenoptiker muss die Durchführung seiner Empfehlung nicht kontrollieren und ist, auch wenn ihr absichtlich oder unabsichtlich nicht erfolgt wird, in seiner Tätigkeit nicht gehindert. Dies wird insbesondere dann auftreten, wenn der Kunde wegen der Beschwerden bereits im Vorfeld Ärzte oder Heilpraktiker aufgesucht hat.

Hinweis: Es wird nicht gefordert und ist nicht sinnvoll, dass ein Augenarzt Stellung zu einer geplanten oder bereits durchgeführten Prismenkorrektion bei Winkelfehlsichtigkeit bezieht.   Er oder seine Sehschulangestellten werden dies auch meist nicht leisten können, da eine entsprechende fachliche Ausbildung in der MKH fehlt. Dennoch geäußerte abwertende oder gar verunglimpfende Kommentare eines Augenarztes ermöglichen Rückschlüsse auch auf die sonstige "Qualität" der Augenarztpraxis.

Hinweis: Der Verwaltungsgerichtshof sieht in keiner Weise eine unmittelbare Gesundheitsgefährdung durch Prismenbrillen.

 

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