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Glückliche Kinderjahre oder Sehschulbehandlung

In einer Werbe-Zeitschrift von Augenärzten „Augenlicht" wurde unter dem Titel „Für glückliche Kinderjahre" Absurdes über die Arbeitsweise von Sehschulen veröffentlicht. Dabei ist schon der Titel selbst eine Spitzenleistung an Ironie und Hinterhältigkeit, wenn jahrelanges Zupflastern eines Auges mit dadurch oft verursachten massiven psychologischen und motorischen Beeinträchtigungen als „glückliche Kinderjahre" verkauft wird.

Aus dem Inhalt ergeben sich, für Betroffene kaum zu erkennen, unzutreffende oder unvollständige Informationen, von denen nur auf drei näher eingegangen wird:

1. Eine Orthoptistin ist Angestellte eines Augenarztes. In seinem Auftrag und unter seiner Verantwortung hilft sie ihm, Schielfehler festzustellen. Eigenständiges Handeln oder gar eigenständige Therapie ist ihr in keiner Weise erlaubt, wenn dies auch oft den betroffenen Eltern schielender Kinder nicht so erläutert wird. Wirklich übel ist es, wenn eine Sehschulangestellte dazu ihren vorgesetzten Augenarzt als nicht so kompetent darstellt. Hier gilt es für Eltern, schnell die Flucht zu ergreifen.

2. Eine Orthoptistin hat nicht die Befähigung, grundlegende und bei fast allen Schielern vorhandene Sehfehler, wie Weit- und Kurzsichtigkeit zu messen und zu korrigieren. Diese Tätigkeit dürfen nur Augenärzte und Augenoptiker ausüben. Auch deshalb ist es unerlässlich, dass der verantwortliche Augenarzt sich zusätzlich und persönlich um jeden Schielfall kümmern muss. Sehschulbesuche, die ohne persönlichen Augenarztkontakt stattfinden, sind sehr kritisch zu hinterfragen. Schielbehandlung wird nicht von Angestellten einer Sehschule durchgeführt, sondern eine Sehschule ist Instrument des Augenarztes zur Diagnostik und Erläuterungen von Therapiender bestehenden Schielfehler.

3. Es wird behauptet: „In den meisten Fällen des frühkindlichen Schielens ist im Vorschulalter eine operative Korrektur erforderlich. Ein solcher Eingriff hat funktionellen Charakter: das Gehirn erhält anschließend die Möglichkeit, die beidäugige Zusammenarbeit aufzubauen."

Dies ist Unsinn. Die leider immer noch übliche mehrjährige Zuklebetherapie führt bei den frühkindlichen Schielfehlern eben nicht zu einem Aufbau irgendwelcher beidäugiger Zusammenarbeit, sondern zum Gegenteil, einer Verhinderung der Förderung dieser Funktion.

Eine funktionelle Schieloperation kann es nur geben, wenn Schielen vor Ende des zweiten Lebensjahres operativ beseitig wurde, denn nur bis zu diesem Zeitpunkt wird beidäugiges Sehen gelernt.

Mangels Interesse von Seiten der Augenärzte und ihrer Sehschulen haben vor vielen Jahren Augenoptiker die Aufgabe übernommen, Sehfehler bei Kindern zu messen und zu korrigieren, insbesondere dann, wenn kein sichtbares Schielen besteht, jedoch augenbedingte motorische Entwicklungsstörungen oder Anstrengungszeichen (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Konzentrationsmangel) vorlagen.

Wegen des enormen Erfolges und aus Konkurrenzangst versuchen nun einige Sehschulen diese vorher vernachlässigten Aufgaben mit auf ihre Fahne zu heften. Dieses Trittbrettfahren ist zwar nicht nett und fördert auch nicht gerade eine Zusammenarbeit zwischen Augenoptik und Augenarzt, ist aber legitim.

Kompetenz oder vor allem Erfolg wird Ansporn für beide Berufsgruppen sein können, an dieser wichtigen Aufgabe „für wirklich glückliche Kinderjahre", d.h. ohne „quälende Bestrafungsaktionen" mit jahrelangem Augenzupflastern besser und erfolgreicher zu arbeiten.