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Hintergrund der augenärztlichen Ablehnung von Prismenkorrektionen 

Der Augenarzt Kommerell kritisiert in die Prismenbrillenkorrektion von Winkelfehlsichtigkeit. Dies folgert er aus seiner Interpretation von angeblich wissenschaftlichen Arbeiten, zu denen der interessierte Leser hier einige Hintergrundinformationen angeboten bekommt:  

Kommerell sieht die Theorie um die Mess- und Korrektionsmethodik nach H. - J. Haase (MKH) als wissenschaftlich widerlegt. Er bezieht sich dazu auf drei von ihm durchgeführte Experimente. Jedes wurde an weniger als zehn Versuchspersonen durchgeführt und auswertbar im Sinne der einzelnen Fragestellungen waren zudem meist sogar nur 3 - 5 Versuchspersonen. Und dass waren zum Teil sogar dieselben bei den drei Versuchsreihen.

Schon in der ersten Arbeit von Kommerell wurden fehlerhafte Angaben festgestellt. Er hat dies in einer Nachveröffentlichung einräumen müssen und korrigiert, jedoch ohne seine Interpretation der Ergebnisse neu zu bewerten. Anwender dieser Messmethodik (MKH) interpretieren nun das Ergebnis seiner Experimente als Bestätigung der Theorie zur Winkelfehlsichtigkeit.

Von einer Widerlegung der Theorie zur Korrektion von Winkelfehlsichtigkeit mit einer nur einstelligen Versuchspersonenzahl kann demnach überhaupt nicht die Rede sein. Befremdlich ist auch, dass von Kommerell weder ausschließlich mit der vorgeschriebenen MKH-Methodik und noch nicht einmal mit den Originaltesten zu Bestimmung von Winkelfehlsichtigkeit gearbeitet wurde.

Es ist nicht jedem Leser bekannt, dass Winkelfehlsichtigkeit überhaupt kein augenmedizinischer Begriff ist oder sein kann, sondern ein rein augenoptischer, ähnlich wie andere Sehfehler: Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit. Eine schulmedizinische Anerkennung ist daher fachlich überflüssig sowie auch gar nicht möglich, da Augenärzte weder im Studium noch in der Facharztausbildung im Gebiet der Winkelfehslsichtigkeit ausgebildet werden. Die augenoptischen Hochschulen im gesamten deutschsprachigen Europa hingegen lehren die MKH als wissenschaftlich anerkannte Methodik schon seit Jahrzehnten.

Einige Kritiker der Winkelfehlsichtigkeitskorrektion führen gerne die angeblich bislang einzige Doppelblindstudie auf (von Simonsz et al.), die nach MKH (Mess- und Korrektionsmethodik nach H. - J. Haase) bestimmte Prismenbrillen in ihrer Wirkung mit herkömmlichen prismenlosen Brillen verglichen hatte. Dabei wurde angeblich kein Unterschied und kein Vorteil zugunsten der nach MKH bestimmten Prismenbrillen festgestellt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit (oder halbe Lüge?), denn zu dieser Studie können folgende Hintergrundinformationen einen doch recht bitteren Beigeschmack erzeugen:

Die offizielle Freigabe dieser Studie von Seiten der verantwortlichen Statistiker gibt es bis heute nicht, d.h. rein wissenschaftlich ist sie nicht existent, nicht zitierbar und schon gar nicht weitreichend interpretierbar. Diese Freigabe wird, wohl wegen eklatanter Verstöße gegen statistische Grundregeln, auch nicht mehr geschehen. Bei der Planung dieser Arbeit war man nämlich davon ausgegangen, entsprechend den tatsächlichen Gepflogenheiten in den Niederlanden (und auch in Deutschland), die Wirkung von Prismenbrillen (vom Augenoptiker bestimmt) mit der Wirkung von normalen prismenlosen Brillen (von Sehschulen bestimmt) auf Sehstörungen und Sehfehlerbedingte Anstrengungsbeschwerden (u. a. Kopfschmerzen) zu vergleichen. Tatsächlich wurden praktisch in keiner Sehschule bis dato Prismenbrillen bei derartigen Beschwerden verordnet, während Prismenbrillen von Augenoptikern durchaus üblich waren. Bereits während des laufenden Versuches gab es seltsame wohl gesteuerte Verfälschungen seitens der Sehschulen. Tatsächlich hatten plötzlich an der Studie beteiligte Sehschulen ihre Gewohnheit um 100% geändert und Prismenbrillen verordnet. Der Versuch wurde aber trotz dieser gravierenden Veränderungen nicht abgebrochen, sondern nur der Titel geändert! An anderer Stelle wird sogar schon von Fälschung geschrieben. 

Einer der beteiligten Autoren dieser Studie hat später nachgefragt, welche Brillen die Versuchspersonen nach Abschluss der Versuche tatsächlich gerne und erfolgreich weiter tragen. Die überwiegende Mehrheit gab dabei die Prismenbrille vom Augenoptiker an.

Eine Aussage für oder wider die Prismenbrille nach MKH ist demnach aus dieser so genannten Doppelblindstudie in keiner Weise „wissenschaftlich“ zulässig, und eine noch weitergehende Interpretation aus dieser Arbeit auf einen daher wahrscheinlichen Placebo-Effekt des Erfolges der Prismenbrillen, wie ihn Kommerell gerne anbietet, ist weder nachvollziehbar noch glaubhaft. Er erscheint lediglich grotesk und lässt andere, als nur fachliche, Beweggründe vermuten.

Letztlich bestätigt diese seltsame Studiendurchführung sehr deutlich doch nur den enormen Erfolg, den Prismenbrillen bei Winkelfehlsichtigkeit haben, dass sogar die primäre Studienhypothese geändert werden musste, um vergeblich zu versuchen, diese Korrektionsmethodik aus Konkurrenzgründen unlauter zu bekämpfen?

Es ist in Deutschland mittlerweile kaum mehr möglich, den Kindern, die unter Sehfehlerbedingten Kopf- oder Bauchschmerzen leiden oder Sehstörungen haben, die es ihnen erschweren, Lesen und Schreiben zu lernen, mögliche Hilfe durch Prismenbrillen vorzuenthalten. Und es ist unverständlich und unverantwortlich, dass weiterhin Verunsicherung von Eltern betroffener Kinder stattfindet, mag sie vom Augenoptiker, der sich nicht weiterbildet und/oder lieber obskure Visualtherapie-Programme verkauft oder vom Augenarzt oder von Augenarztmitarbeiterinnen einer Sehschule ausgehen.

Leider wird auch weiterhin die seit hundert Jahren bestehende unrühmliche Konkurrenz um die Brillenglasbestimmung zwischen der Augenoptik und den Augenärzten einem geregeltem Umgang mit der Prismenbrille im Wege stehen. Geregelt soll bedeuten, dass Augenärzte nicht verteufeln, wenn Winkelfehlsichtige erfolgreich eine Prismenbrille tragen wollen und nicht von unnötigen Augenmuskeloperationen reden, wenn Patienten ihre erfolgreich korrigierte Winkelfehlsichtigkeit auf diese Weise behoben haben möchten.

Anderseits mögen sich Augenoptiker davor hüten, Kritik laut werden zu lassen, wenn Augenärzte zwar komplikationsarme Augenmuskeloperationen verdammen, auf der anderen Seite jedoch mit immer aufwändigerem Werbeetat fast jede Kurzsichtigkeit operieren wollen (und dies mit einer extrem hohen Komplikationsrate, die nur bei kosmetischen Operationen üblich ist).

Kommerell hält den Pädagogen, die den Erfolg von Prismenbrillen bei Winkelfehlsichtigkeit beobachten, entgegen, sie seien subjektiv in ihren Bewertungen vom Erfolg getragener Prismenbrillen fehlgeleitet. Das ist eine Ohrfeige und Beleidigung angesichts der fast regelmäßig bei jeder Prismenbrillenkorrektion von Winkelfehlsichtigkeit zu beobachtenden positiven Veränderungen. Augenärzte verhöhnen Ergotherapeuten als nicht kompetent in der Beschreibung der Wirksamkeit einer Prismenbrille auf die Grob- und Feinmotorik und werden von ihrer berufspolitischen Interessengemeinschaft dazu auch noch animiert. Kinderärzte werden von berufspolitisch agierenden Augenärzten dazu verpflichtet, keinerlei Prismenbrilleneinsatz bei von Kopfschmerz geplagten Kindern zu befürworten, ansonsten würden sie ihr Vorrecht auf Vorsorgeuntersuchungen zur Sehentwicklung der Kinder aufs Spiel setzen.

Die Mess- und Korrektionsmethodik nach H. - J. Haase gibt es seit etwa 50 Jahren. Ihre Erfolge bei inzwischen vielen Zehntausenden von winkelfehlsichtigen Kindern werden bestätigt durch die immer kritisch begleitenden Eltern, durch die vorher verzweifelnden Ergotherapeuten, Lehrer, Kinderärzte, Schulpsychologen u. a. Inzwischen sind einige Selbsthilfegruppen tätig und versuchen erfolgreich zumindest Einiges an gesteuerter augenärztlicher und rein berufspolitisch motivierter Verunsicherung zu korrigieren. Erst wenn es diese Elterninitiativen nicht mehr geben muss, sind wir weiter in dem was der Autor dieses Leserbriefes unter wirklicher Zusammenarbeit von Augenarzt und Augenoptiker versteht.

 

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