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ADHS

Allgemeines zu ADS oder ADHS

ADS oder ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) steht heute für eine Vielzahl von Verhaltensweisen: Hyperaktivität ("Zappelphilipp"), Konzentrationsschwäche, Überforderung und Überreizung, soziale Probleme in Familie und Schule. Diese Zusammenlegung verschiedener Verhaltensweisen zur gemeinsamen Diagnose ADHS ist nicht unumstritten und erscheint auch nicht zwingend medizinisch sinnvoll, sofern sich Medizin nicht nur auf die "Anwendung und Wirkungsweise von Medikamenten" reduziert. 

Im Zusammenhang mit ADHS findet sich oft der Hinweis, dass schon im Kinderbuch "Struwwelpeter" vom Nervenarzt Heinrich Hoffmann (1809-1894) eine erste klassische Beschreibung dieser Störung zu finden ist. Nun war  Hoffmann zu der Zeit, als er das Buch schrieb, weder Nervenarzt, noch hat er eine krankhafte Störung darstellen wollen, sondern er hat eine sogenannte pädagogische Warngeschichte für Kinder geschrieben. Solche Bücher waren damals sehr populär.

Die Deutung der Verhaltensweisen hyperaktiver und aufmerksamkeitsgestörter Kinder hat sich seit Hoffmann laufend verändert. Man möchte hinzusetzen: dem Zeitgeist entsprechend. Was ursprünglich nur als Unart oder Ungezogenheit galt, wurde zeitweise gedeutet als Neuropathie,  Psychopathie, Neurasthenie,  Hirnschaden,  Krankheit,  Störung, Behinderung und neuerdings als genetische Anlage oder als Stoffwechselstörung im Bereich des Nervensystems (Neurotransmitter-Störung).

Eine recht anschauliche, aber ebenfalls nicht bewiesene Beschreibung des ADHS-Kindes: Einerseits hyperaktiver "Zappelphilipp", andererseits Träumer wie "Hans-Guck-in-die-Luft" kann dieser Mensch durch eine ursächlich ungeklärte Reizfilterschwäche die Flut von Eindrücken, die laufend auf ihn einwirken, nicht richtig filtern, sortieren, verarbeiten und richtig nutzen. Der Kinderpsychiater Homburger hatte 1926 sogar von falschen Erziehungsmethoden gesprochen, die zu erhöhter Erregbarkeit und starker Ablenkbarkeit führen würden.

Die Entdeckung im Jahre 1936, dass seltsamerweise ein stimulierendes Medikament hyperaktive Kinder ruhiger macht, führte zu "The Run on Ritalin". Eine enorme Ausweitung in der Anwendung von Ritalin® erfolgte in den USA ab den 60er-Jahren. Ob dies aufgrund veränderter Belastung von Eltern (Arbeitslos oder Doppelverdiener) und Kindern (erheblich Veränderungen in der Freizeit-, Lern- und Ausbildungssituation) geschah, wird kontrovers diskutiert. Dass in einer derartig veränderten Umwelt der Weg, das Kind mit Medikamenten zu versorgen ("ruhig zu stellen" - "ihm Drogen zu geben"), viel einfacher ist, als den zeitaufwändigen Weg zu gehen, sich um Familie und Schule zu kümmern, leuchtet vordergründig ein. Es wird diskutiert, ob allein die in vielen Fällen deutliche Wirkung von Ritalin® einen gewaltigen gesellschaftlicher Zwang auf Ärzte und Erzieher ausgeübt hat und weiterhin ausübt. Und es hat den Anschein, dass erst das Wirkprofil dieses Medikamentes zu einem zwanghaften Zusammenfügen von einzelnen Verhaltensweisen zur neuen Diagnose ADHS geführt hat. 

 

Leider ist das allgemeine Wissen über ADHS noch relativ wenig verbreitet, so dass die betroffenen Kinder und ihre Familien oft falsch beurteilt werden und keine angemessene Hilfe erhalten. Nachstehend eine recht grobe Beschreibung von einigen Verhaltensweisen, die für ADHS typisch sein sollen:

  • Aktivitätsüberschuss oder verträumt sein

  • Ungeschicklichkeit in Grob- und Feinmotorik

  • leichte Ablenkbarkeit, unzureichende Daueraufmerksamkeit

  • Impulsivität und Kritikempfindlichkeit, niedrige Toleranz für Frustrationen.

ADHS und Winkelfehlsichtigkeit

Winkelfehlsichtigkeit verlangt ständige, zusätzliche und exakte Kompensation im Bereich eines Augenmuskelungleichgewichtes (von ungleich langen Augenmuskeln). Diese und auch die zudem notwendige visuelle Mehrarbeit der Sehzentren führen zu einer höheren Energie- oder Arbeitsanforderung des Gehirnes. Bei ADHS ist jedoch bereits die normale Steuerung und Verarbeitung der von  Außen" stammenden Informationen gestört. Somit ist an eine beschwerdefreie Kompensation von nicht mit Prismenbrille voll korrigierter Winkelfehlsichtigkeit nicht zu denken.

Es kommt regelmäßig zu "Überschneidungen" von Symptomen in der Grob- und Feinmotorik, so dass manches, was zunächst  ADHS zugeordnet wurde, nach Prismenkorrektion der Winkelfehlsichtigkeit wieder revidiert werden muss. Es kann relativ oft nach Stabilisierung der Winkelfehlsichtigkeit mit einer entsprechenden Prismenbrille zu einer deutlichen Reduzierung von Medikamenten gewechselt werden. Und es wird immer wieder beobachtet, dass auf Medikamente wie Ritalin® gegen ADHS ganz verzichtet werden kann, also die ursprüngliche Diagnose ADHS verworfen werden konnte. (Worüber eigentlich keiner traurig sein sollte...)